es gibt so viele fragen, die mich beschäftigen. anstatt sie mir immer nur selbst zu stellen, oder sie (möglicherweise schlecht) ausgewählten leuten anzulasten, die weder interesse daran haben, sich die frage anzuhören, noch daran, sie zu beantworten, kann ich sie auch in einen blog schreiben. ihn wird vielleicht (wahrscheinlich) keiner lesen, aber wenigstens sind sie dann „out in the open“, und vielleicht kommt irgendwann von irgendwem irgendeine antwort auf irgendeine frage zurück.
ich schrieb gerade irgendwem mal wieder eine viel zu lange nachricht über die philosophie der portraitfotografie, und noch während ich sie schrieb, beschloss ich, mit dieser einen blog zu starten – diesen blog hier. und das ist besagte nachricht (an einen anderen fotografen):
du machst ja ähnliche bilder wie ich, also auch „klassisch“, und sprichst ja auch eine ähnliche zielgruppe an. ich sollte mich viel öfter mal mit dir unterhalten.
zB über den satz: „hauptsache ich finds toll“. darin steckt viel wahres. aber es ist so anstrengend auf die dauer, das konzept durchzuhalten. das hier zB:
http://www.model-kartei.de/bilder/bild/6199909/
ist 1A! super bildschnitt. ich glaube, das würde ich inzwischen gar nicht mehr so hinbekommen. einfach, weil mir schon so viele der herren gesagt haben, „der kopf darf nicht angeschnitten sein, de kopf darf nicht angeschnitten sein, sont kann ich das nicht für meine sedcard verwenden“. ich habe aus diesen ganzen unsinnigen anweisungen der modelle glaube ich schon so viel in mein (unter-) bewusstsein aufgenommen, dass ich gar keine fotos mehr machen kann, die in die kategorie „hauptsache ich finds toll“ fallen. ich habe mich selbst verloren. kennst du so ein gefühl?
letztens habe ich einen fotografiert, der wollte unbedingt während des shootings schon auf dem kameradisplay sehen, wie die fotos aussehen. ich glaube, kaum ein fotograf mag das, oder du schon? ich jedenfalls nicht. aber er wollte, dann hab ich ihm ein paar gezeigt. er hat gar nichts gesagt. das war in der situation echt doof. die reihenfolge des gefallens ist meiner meinung nach:
1. lob: „gefällt mir gut“
2. konsutruktive kritik: „naja, das hier stimmt nicht so ganz, und das hier gefällt mir auch nicht so“
3. stillschweigen, es ist eh alles zu spät
für mich war sein verhalten #3 zuzordnen. da wars dann eigentlich für mich gelaufen. ich hab ihm dann die bilder geschickt, immerhin kam von ihm „danke für die bilder“, wenngleich auch sonst kein kommentar. ich habe schon so oft models bilder geschickt, und es kam nicht mal die info, dass sie überhaupt angekommen sind, geschweigedenn ein „danke“, geschweigedenn ein „die gefallen mir gut“ (letzteres verstehe ich ja, ich bin auch schwierig mit bildern von mir, aber wenn ein fotograf sich die mühe macht, bilder auszusuchen, zu bearbeiten, auf ne cd zu brennen, sie in einen frankierten umschlag zu stecken und mir zu schicken, würde ich niemals nicht wenigstens „danke, sind angekommen“ schreiben).
naja, mir war trotzdem klar: für ihn waren die bilder ein reinfall. er scheint sie trotzdem auf facebook hochgeladen zu haben. und überraschenderweise scheinen ihm wohl viele leute dort geschrieben zu haben, dass sie die bilder mögen. und dann schrieb er mir „die Resonanz der Fotos sind super, vielen dank, sind echt toll geworden“. d.h., ob fotos „toll“ sind, definiert sich für ihn (und bestimmt viele andere leute auch) nicht daran, ob er sie selbst toll findet, sondern ob andere sie toll finden.
d.h., um als fotograf zufriedenstellende arbeit zu leisten, kommt es nicht darauf an, ob man selbst das ergebnis mag, auch nicht unbedingt darauf, ob der abgebildete sie mag, sondern darauf, dass dritte sie mögen. kann das denn sein? kann man nach so einem maßstab arbeiten? WILL man nach so einem maßstab arbeiten? ich will nicht.
Samstag, 22. Mai 2010
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